Agility is fun !

Bio-Hürdenausleger


Mit freundlicher Genehmigung von: www.agility-shepherds.de.vu 
 

 

Bericht einer Betroffenen

(von Tina Grashoff)

Ich bin ein verantwortungsvoller Hundebesitzer und will meinen Hunden ein artgerechtes und abwechslungsreiches Leben bieten. Aus diesem Grund habe ich mich eines Tages dazu entschieden, AGILITY zu machen. Ein schöner Sport - heißt es. Ein Mensch, ein Hund, ein Parcour aus lustigen Hindernissen - und fertig ist ein gelungener Nachmittags-Spaß!

Ganz einfach, denke ich. Der Hund rennt, und ich warte, bis er ins Ziel läuft. Toll! Das macht Spaß! Vielleicht kann ich mir einen Klappstuhl mitnehmen und warten, bis der Hund sich müde gelaufen hat.

Erwartungsfroh erscheine ich beim ersten Training im neuen Verein.
Ich betrete das Trainingsgelände. Der Wind pfeift, ein trockener Busch rollt über den Platz. Staub wirbelt auf. Irgendwo spielt eine Mundharmonika ihr trauriges Lied...

Dann steht er plötzlich vor mir. Der Trainer! Der Trainer ist eine Frau. Eine große Frau! Eine riesige Frau. Ungefähr 2,80m groß mit einem Schal um den Hals, so grell wie ein giftiges Insekt! Sie dreht sich langsam zu mir um. Ihre Augen fixieren mich, durchleuchten mich, erkennen in Bruchteilen von Sekunden: Die Neue da braucht Training! Hartes Training!

Schon will ich mich abwenden und die Flucht ergreifen, da lässt mich die Trainerstimme erstarren:

"Hey Du da! Es geht los! Wir machen eine Warmlaufrunde!"

Die Hunde wedeln mit den Schwänzen, jaulen vor Freude. Wir Menschen starren auf den Platz. Weichen unmerklich zurück- schwitzen beim Anblick des Parcours. Gefrässige Hürden grinsen mich an. Lindwurmartige Tunnel drohen mich zu verschlucken. Der Slalom greift nach mir wie ein zwölfarmiges Ungeheuer.

Trainers Stimme schallt über den Platz:

"Ok. Zum warm werden erstmal ein ganz einfacher Parcour: Blau Hürde, rote Hürde, Slalom, Wechsel, blaue Hürde, blaue Hürde, rote Hürde, Slalom von der anderen Seite, Wippe, Tunnel, Hürde, Hürde- und hier will ich einen Franzosen sehen- Hürde, Reifen, Hürde-hier den Hund außen rum schicken und zuletzt noch die vier Hürden dahinten...! Klar? Na dann mal los Leute! "

Ich grinse hysterisch. Beuge mich zu meinem Hund und entschuldige mich vorab für das, was ich ihm hier antun werde.
Ich zittere - vor Angst. Mein Hund zittert - vor Freude.
Ich lasse erst die anderen laufen. Schließlich bin ich neu und will mich ja nicht vordrängeln.
Vielleicht bekomme ich ja auch noch eine Herzattacke bevor ich dran bin...! Oder eine Tsunami-Welle spült die Hürden weg.
Aber nein, mein Herz schlägt ganz normal- nur ein bißchen schneller vielleicht. Und von einer Welle keine Spur.

"Hey Du da. Du bist dran. Zack, zack. Los!"

Ich gehe mit meinem Hund zur ersten Hürde und setze ihn dort ab.
Doch noch bevor ich mich in meine Startposition begeben kann, zerreisst die Trainerstimme die dünne Luft:

"HAAAAAAAAAAAAAAAlllllllooo????? Was machst Du da? AKTION! Los, motivier deinen Hund. Nicht einschlafen. Los los los....LAAAAUUUUUF!!!!!!"

Mein Hund rennt los. Panisch stürze ich hinterher.
Blaue Hürde, rote Hürde, meine Knie krachen, der Slalom naht, mein Hund fliegt, lässt sich nicht bremsen. Mein Lunge fliegt hinterher. Schon haben wir die erste Slalomstange erreicht.
Zick...zack..zick...zack...zack...Mist...Fehler.

Trainers Stimme: "WARUM HILFST DU DEINEM HUND NICHT??????? GEGENARM!"

Gegenarm..ja..natürlich...eh...mein Gegenarm ist weg! Wo ist mein Gegenarm? Verzweifelt rudere ich mit beiden Armen - einer davon muss ja der Richtige sein! Wechsel, blaue Hürde....
Mein Hund bremst, schaut mich an, jault, ich sehe riesige Fragezeichen in seinen Augen... Wo gings nochmal lang???? Hilflos schaue ich mich um. Überall Hürden- und alle sehen gleich aus!

Mein Hund rettet die Situation und hüpft fröhlich zum nächsten Hinderniss. Ich frage mich kurz, ob "Hindernisse" wohl etwas mit "Hornisse" zu tun haben, bevor ich zum doppelt-französichen Rittberger-Wechsel ansetze.
Ich bleibe mit der Hüfte an einem Ausleger hängen. Renne besinnunslos vor Schmerz Richtung Wippe.

"KONTAKTZONEN!!!!! Wo ist die Kontaktzoooonnnneeee??? KONTROLLIER DEINEN HUND!"  - Trainers Stimme überrollt mich von hinten.

Mein Hund rennt die Wippe rauf...hängt minutenlang in der Luft und landet fünf Meter hinter der Kontaktzone. Egal. Weiter. Vielleicht hats niemand gesehen.
Tunnel...ich muss zum Tunnel...und wenn ich hinter dem Tunnel einfach immer gerade aus laufe, schaffe ich es vielleicht mit einem großen Satz über den Zaun- FLUCHT! FREIHEIT!
Ich renne, kreische meinen Hund an! Meine Stimme erreicht bisher unerforschte Frequenzhöhen! In riesigen Sprüngen gelange ich zum Tunnel und renne in Richtung Freiheit...jetzt nicht stehen bleiben...! Nur noch wenige Meter...! Gleich habe ich den Zaun erreicht... Da schiebt sich mir ein großer Schatten in den Weg!

"Hey Du da! Wo willst Du hin? Und was soll das hier werden, wenns fertig ist? Häh? Nochmal von vorne! "

Mein Hund hüpft neben mir auf und ab. Er sieht glücklich aus. Aber nicht mal ansatzweise müde. Im Gegensatz zu mir.
Ich schleppe mich zurück zum Anfang. Gehe nicht über Los. Ziehe nicht 4000 Euro ein. Gehe direkt zum Slalom...! Mit letzter Kraft erreichte ich den Start.
Sehe ich höhnische Gesichter? Grinsen die anderen? Oder sind ihre Gesichter entstellt vor Panik?
Mein Gehirn verweigert den Dienst. Ich renne los. Spüre irgendwo meinen Hund neben mir...vor mir...!
Ich laufe...denke nicht, Hürde, Hürde, Slalom, Wechsel, blaue Hürde, blaue Hürde...Bürde...Würde...jetzt nicht aufgeben...nicht stürzen!
Die Schmerzen laufen mit. Immer weiter. Auch der längste Parcour hat ein Ende!

"LAAAAAAAAAUF!!!! Weiter ! Jaaaaa!" - Trainers Stimme spornt mich an.

Hürden fliegen an mir vorbei, mein Hund fliegt an mir vorbei...mit letzter Kraft rudere ich ins Ziel...lasse mich zu Boden fallen, keuche! Jemand reicht mir die Deutschlandfahne. Kameras richten sich auf mich. Reporter stürmen los. Ich rappel mich auf und setze an zur Ehrenrunde, winke den Zuschauern...und höre Trainers Stimme:

"Hey Du da! Fürs Erste nicht schlecht!
So Leute, und jetzt fangen wir mit dem Training an!!"

Um mich herum wird es schwarz....!!!                               

Die wichtigsten Regeln für's Agility-Training

(von Tina Grashoff)

Der Mensch ist ebenso wie der Hund in der Lage, erschreckende Moment in seinem Leben einfach zu vergessen. Aus diesem Grund war ich zum wiederholten Mal beim Agility-Training. :-) Und ich habe viel gelernt.
Ich möchte in diesem feierlichen Augenblick meine wertvollen Erfahrungen mit all meinen Mitmenschen teilen und schreibe die wichtigsten Erkenntnisse nieder.

Es gibt beim Agility ein paar wichtige Regeln, die man ohne zu hinterfragen akzeptieren und einhalten sollte. Dies fördert den reibungslosen Ablauf des Trainings und garantiert höchste Turnier-Erfolge.
(Dem Agility-Neuling sei dringend empfohlen, die folgenden Punkte zusammen mit seinem Hund auswendig zu lernen!)

1. Der Trainer

- Der Trainer ist die Person, die laut schreiend und mit den Armen fuchtelnd über den Platz rennt und die grobe Richtung vorgibt.
(Bitte nicht mit den Kursteilnehmern verwechseln: Auch sie rennen schreiend und mit den Armen fuchtelnd über den Platz, wissen aber nicht, in welche Richtung es geht)

- Der Trainer hat immer Recht
(Macht der Trainer einen Fehler, läuft ihm ein Hund aus dem Parcours oder stürzt der Trainer in gerade zu theatralischer Art und Weise, so geschieht dies immer nur zu Demonstrationszwecken.)

- Ein Trainer weiß immer, was er tut!

- Ein Trainer vergisst nie, welchen Parcours er sich ausgedacht hat.

- Ein Trainer hat 4 Augenpaare und 8 überdimensionale Ohren.

- Ein Trainer sieht und hört also alles.

- Ein Trainer darf sich kleiden wie er will, auch wenn seine Unwelt dabei erblindet.

- Ein Trainer hat ein Stimmorgan, dass dazu geschaffen ist, ein Erdbeben auszulösen. (Ohne ein solches Organ wird man als Trainer nicht zugelassen.)

- Ein Trainer darf auch eine Trainerin sein (was jedoch keine Auswirkung auf das vorhandene Stimmorgan haben darf).

- Ein Trainer ist ein Trainer ist ein Trainer!

2. Der Parcours

- Der Parcours wird vom Trainer (siehe Punkt 1) festgelegt.
(Der Trainer geht zu Beginn einer jeden Trainingsrunde vor den Kursteilnehmern her und zeigt mit seinen Armen, Beinen und der Stimme an, in welcher Reihenfolge die Hindernisse zu absolvieren sind.)

- Dabei achtet der Trainer akribisch darauf, möglichst schnell Verwirrung unter den Teilnehmern zu stiften, indem er möglichst viele Kurven und Wechsel (siehe Punkt 3 ) in den Parcours mit einbaut.

- Der Parcours ist möglichst zeitgleich mit dem Hund zu bewältigen. Aus gesund-heitlichen Gründen reicht es aber beim modernen Agility inzwischen aus, wenn wenigstens der Hund lebend ins Ziel läuft.

- Der Parcours ist heilig.

- Der Parcours wird so oft abgelaufen, bis sich 1 Meter tiefe Laufspuren auf dem Trainingsplatz bilden.

- Der Parcours ist der Pilgerweg eines jeden Agility-Sportlers.

- Wer einen Agility-Parcours ohne Fehler durchläuft, braucht auch kein Navigationssystem mehr.

- Wer das Trainig heil überstanden hat, bekommt beim Abbau des Parcours den Rest.

- Ein Parcours ist ein Parcours ist ein Parcours!

3. Der/die Wechsel

- Ein Wechsel ist die schnellste und einfachste Art, sich als Mensch vor seinem Hund (und den Zuschauern) völlig zum Idioten zu machen, sich sämtliche Knochen zu brechen und möglichst nicht ins Ziel zu kommen.

- Ein Wechsel dient dazu, die Orientierung, die man nicht hatte, völlig auszuschalten.

- Ein Wechsel dient zum Wechseln. (Was allerdings gewechselt wird, habe ich noch nicht herausgefunden-  werde aber weiterhin Nachforschungen anstellen.)

- Ein Wechsel ist eine selbstbelohnende Aktion: wer überlebt, freut sich.

- Ein Wechsel ist international und tritt in Form von kreiselnden Belgiern, blinden Franzosen, irren Kölnern oder verdrehten Deutschen auf. Zuweilen beobachtet man auch den eingesprungenen Japaner (Kamikaze genannt).

- Ein Wechsel bietet dem Hund die Möglichkeit, sich auszuruhen, während Herrchen oder Frauchen seine Knochen sortiert.

- Ein Wechsel wird immer in Verbindung mit einer Vorwärtsbewegung ausgeführt, sodass man zuweilen mit in nicht mehr zu kontrollierender Geschwindigkeit über den Platz schiesst und erst im Clubhaus vor der Theke wieder zum Stehen kommt.

- Ein Wechsel ist ein Wechsel ist ein Wechsel!

4. Kleidung

- Gute KLeidung ist wichtig (fast so wichtig wie ein guter Trainer).

- Der Trainer bestimmt die modische Richtung.

- Die modische Richtung des Trainers wird ignoriert!

- Der engagierte Agility-Sportler trägt Hockey-Schuhe (er fühlt sich ja ohnehin oft genug wie ein Puk, den man kreuz und quer über den Platz schiesst).

- Besonders in der Weihnachtszeit trägt man gerne STOLLEN unter den Schuhen - hahaha;)

- Die Oberbekleidung sollte möglichst weit geschnitten sein, damit man unter allen Umständen an den Hindernissen hängen bleibt und aussieht wie eine abgestürzte Fledermaus.

- Die Kopfbedeckung sollte fest mit dem Deckhaar verbunden und aerodynamisch geschnitten sein.

- Kopfbedeckungen sollten Wechsel-fähig sein (im doppelten Sinne).

- Der Leckerchenbeutel, aus dem der Hund belohnt wird, sollte am Hosenbund befestigt sein.

- Es ist darauf zu achten, dass der Beutel NICHT geschlossen wird, damit die Leckerchen im vollen Lauf heraus fallen und auch die nachfolgenden Hunde noch etwas davon haben.

Für den ungeübten Agility-Neuling bilden diese Regeln das Grundgerüst für ein erfolgreiches und Spaß bringendes Training.

Neben der gültigen Tollwutimpfung und Haftpflichtversicherung für den Hund, ist der Hundehalter dazu verpflichtet, eine laufende Behandlung bei einem örtlichen Orthopäden und Psychologen nachzuweisen.

Die Regeln für Fortgeschrittene werden noch ausgearbeitet...